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4. FotofestivalSamstag, 8. Oktober 2011
Zur Zeit läuft das 4. Fotofestival der Rhein-Neckar-Region. Sogar in der National Geographic steht ein Hinweis dazu. Deren Beschreibung finde ich auch die Beste:
Zeigen wollen die Fotografien, was uns im heutigen Zeitalter beeinflusst. Ein anderer Schwerpunkt des Festivals liegt darin, die Realität durch die Aufnahmen zu hinterfragen und Gefühle hervorzurufen. Außerdem soll der Betrachter Antworten finden auf: „ Wie lauten einige der wichtigsten Fragen und Herausforderungen, denen die Menschheit heute gegenübersteht und wie werden sie dargestellt?“ Das Fotofestival macht eine „Reise in das Reich des Menschen“. Diese Beschreibung sagt doch viel mehr aus als "Lebenskreisläufe" oder der Titel der Ausstellungen "The eye is a lonely hunter". Oder was soll ich mit einem (Teil-)Satz wie: Das 4. Fotofestival ruft die Fotografie in den Zeugenstand und widmet sich ihrer Rolle als visuelle Ausdrucksform einer Conditio humana zu Beginn des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts: Das steht so auf der offiziellen Website, gleich auf der ersten Seite. Da verstehe ich gar nichts, das ist mir zu gedrechselt. Nun ja, in zwei Ausstellungen in Heidelberg war ich, einmal in der Sammlung Prinzhorn auf dem Psychiatrie-Gelände und noch im Heidelberger Kunstverein. Die Ausstellung in der Prinzhorn-Sammlung ist wahrhaft eine Depri-Sammlung. Roger Ballen hat die weisse Bevölkerung Süd-Afrikas porträtiert, die mit dem Ende der Apartheid alles verloren hatten. Zutiefst verstörte Menschen, kaum jemals zu einem Lächeln fähig. Sehr eindrücklich das Bild mit den erwachsenen eineiigen Zwillingen. Sie wirken debil, ihnen läuft der Sabber aus den Mündern. Das ruft auf jeden Fall Gefühle hervor und macht nachdenklich. Ganz anders die Ausstellung im Heidelberger Kunstverein. Mehrere Fotografen, sodass man sich auf jedes Bild neu einlassen muss. Die Bilder selbst auch von ihrer Aussage her eingängiger, gefälliger, schneller erfassbar. Das Schwulenpärchen etwa, salt and pepper noch dazu, wie sie nebeneinander im Bett liegen und sich über irgendwelche Dinge austauschen, zutiefst teilnehmend an dem, was der andere sagt. Die Aussage ist nur allzu klar. Oder das Bild des Neugeborenen, mit noch nicht entfernter Nabelschnur. Ganz klar, ein Höhepunkt im Leben. Die Leinwand-Videos dagegen regen mehr zum Nachdenken an. Eines ist über eine türkische Hochzeit. Wie die Leute feiern, tanzen, wie öffentlich ausgerufen wird, wer wieviel gespendet hat (erkleckliche Summen), wie mann/frau sich herausputzt beim Friseur und, und, und. Pures, ausgelassenes Leben. Im Eingangsbereich das andere Leinwand-Video. Finnischer Herkunft. Es geht um einen Leichenbestatter. Meine Freundin und ich sind dann raus, als es um einen Mitarbeiter namens Paavo ging, der frei hatte und dann nicht mehr zur Arbeit erschien. Wir wollten nicht mehr wissen, wie er gestorben ist. Das wirkte wie ein Krimi. Eindrücke des Starts von "Friedhelm Hengsbach SJ fragt nach ..."Sonntag, 2. Oktober 2011
"Friedhelm Hengsbach SJ fragt nach ..." ist eine neue Diskussionsreihe im Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen. Dort lebt Friedhelm Hengsbach SJ, einer der bekanntesten/führendsten Sozialethiker Deutschlands.
Ich hatte ihn letztes Jahr zum ersten Mal erlebt, in der Heiligkeistkirche bei einer Veranstaltung während der Armutswoche zusammen mit Manfred Lautenschläger und Gregor Gysi. Die beiden letzteren sind bekannte Figuren, Hengsbach war mir neu. Er war beeindruckend. Sehr, sehr fundiert, gab keinerlei Polemik und liess sich auch auf keinerlei Polemik ein, liess sich aber auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Wie gesagt, es war beeindruckend. Als ich dann von dieser Veranstaltungsreihe "Friedhelm Hengsbach SJ fragt nach ... " erfuhr, musste ich natürlich hin. Weiterhin anwesend waren Sahra Wagenknecht und Ulrich van Suntum. Friedhelm Hengsbach mit seinem Hintergrund der Jesuiten war genau der richtige Moderator dieses Abends, da alle drei sehr fundiert waren, aber durch van Suntums aggressive Art (er polemisierte zum Steinerweichen) seine Fertigkeiten in Menschenführung und seine - durch den Glauben geprägten - Einsichten in den Menschen gefragt waren. Was mir sehr negativ aufgefallen ist, das war die Klatscherei bei van Suntums polemischen Ausfällen. Das hat mir doch einiges über unsere Gesellschaft geoffenbart. Man kann nicht klatschen, wenn einer meint, Hartz IV sei ausgewogen und die Bezieher dieser Massnahmen hätten nichts zu meckern. Diejenigen, die da klatschen, entziehen sich mutwillig der Realität, der Auseinandersetzung mit dem nächsten mit ihren Scheuklappen. Nie sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Das fängt schon damit an, dass man sich seinen Sachbearbeiter nicht aussuchen/wechseln kann. Das Leben spielt anders. Man kann einfach nicht mit jedem, das ist ganz normal, und bei derartig existentiellen Sachen muss man wirklich miteinander können. Das nächste ist, und das muss klar sein, dass diese Gesetze mit heisser Nadel gestrickt sind. Es hängen vor den Sozialgerichten eine sehr hohe Zahl von Klagen wegen dieser Gesetze und ihrer Auswirkungen an, die in hohem Mass für die Kläger entschieden werden. Da kann man doch nicht sagen, mit Hartz IV sei alles bestens bestellt. Klar, Ulrich van Suntum als ein herausragender Vertreter des INSM wird das sagen, aber man muss dem nun nicht blindlings hinterherfolgen. Für mich sind da einige Fragen aufgetaucht, zumal ich letztes Jahr damit begonnen hatte, mich für die seelischen Auswirkungen der Nazizeit zu befassen. (Ein Buch dazu: Geschichte in uns.) Wollen viele auch heute noch einen "Führer", der sie vor der Komplexität des menschlichen Lebens "bewahrt"? Wollen sie seelisch aufgefangen werden von Meinungsmachern und Polemikern wie BILD und Co? Wieso gehen sie dann nicht in Seelsorge? Können sie ihre Schwächen und Ängste nicht zugeben und weigern sie sich, damit umzugehen? Stattdessen lieber Sündenböcke suchen? Eine angeblich wohlgeordnete Welt entwerfen, in der jeder Strohhalm seinen Platz hat, um nicht denken zu müssen? Und dann: Suchen sie insgeheim doch nach echter Seelsorge, wie sie etwa die Jesuiten bieten (das Heinrich-Pesch-Haus ist ein Standort der Jesuiten) und waren sie deswegen - ihnen unbewusst natürlich - dort? Ich meine jetzt echte Seelsorge, um zu einem erfüllten und gelingenden Leben zu kommen. Die Jesuiten bieten hervorragende Seelsorge. Van Suntum ist direkt hinter Hengsbach die Treppe zur Bühne runter. Das erstaunte mich. Als hätte er Zutrauen zu Hengsbach gefunden. mein Fotografierübungsplatz, das Prinz Friedrich.Freitag, 9. September 2011
Eines meiner Hobbies ist das Knipsen.
Ich sage jetzt bewusst "knipsen", nicht "fotografieren", denn ich bin weit davon entfernt, ein Freak zu sein. Ich habe meine Kamera zwar immer dabei, aber ich bin nicht ständig auf der Suche nach Motiven. Ich mag nicht immer das Display vor Augen haben, um meine Welt wahrzunehmen. "Fotografieren lernen ist sehen lernen". Ich nehme meine Welt nun immer bewusster wahr, lasse genussvoll vieles unfotografiert stehen. Mittwochs bin ich immer im Prinz Friedrich (Billy und die Zwillinge spielen da), und diese Künstlerkneipe ist eine echte Herausforderung. Nicht nur für den Knipser, auch für den Fotografierer. Die unterschiedlichsten Lichtquellen, wie eine orange Darboven-Werbung, abgeschirmtes Neonlicht an der Decke, Tischlampe, Fenster, Kerzen auf den Tischen, in der Nische LED-Spots und was nicht alles. Ein echtes Schummerfeeling noch dazu, da es nicht sonderlich hell ist. Aber auf den Blitz verzichte ich, da wird es unnatürlich aufgehellt. Blitz gehört auf Geburtstage oder so, wo man einfach hinterher noch wissen will, wer da war. Ansonsten zerstört Blitz die Atmosphäre. Da hat man an seiner Kamera ordentlich was einzustellen, auszuprobieren und kennenzulernen. Letzten Mittwoch habe ich tatsächlich etwas Neues kennengelernt. Jessen neben mir stellte den Weissabgleich manuell ein, d.h. er hat ein weisses Blatt Papier genommen und darauf fokussiert. Ich habe gestaunt. Und dachte, das gibt es nur bei Kameras der höheren Klasse. Nein, meinte er, bei kleineren gäbe es das auch schon. Woraufhin ich daheim erstmal meine Bedienungsanleitung studiert habe. Tatsächlich! Nun, der nächste Mittwoch wartet schon. An die Bildbearbeitung habe ich mich dank Prinz Friedrich auch wieder hingesetzt. Bleibt einem ja nichts anderes mehr übrig. Die Bilder haben einen derartigen Rotstich - kann man sich ja denken bei dieser Darboven-Werbung im Eck - und sowas von dunkel. Ich habe die Musiker beim Spielen fotografiert. Da kommt das Licht von hinten bzw. abgedämmt von oben. Was heisst, dass die Vorderfront der Musiker sowas von dunkel ist. Die Gammakorrektur habe ich vor ein paar Tagen entdeckt, das hilft schon mal. Ein (roter) Spot auf die Musiker war nur beim allerersten Gig da, jetzt ist es sehr schummrig. Schärfen musste ich auch. Die Ergebnisse seht Ihr hier an den Musikerbildern. Die Bilder erhaltet Ihr in gross, wenn Ihr auf die kleinen klickt. Nachtrag: Am Besten kommen die Bilder raus, wenn man den Lochkameraeffekt der Kamera nutzt. Auf flickr habe ich ein Album mit meinen Versuchen angelegt. Fotoausstellung PubertätMontag, 22. August 2011
Bis Ende August läuft in der Klinik St. Elisabeth das Forum und die Ausstellung von der Fotografin Gülay Keskin zum Thema Pubertät. Ausführliche Informationen gibt es unter den beiden Links. Das dort Gesagte wiederhole ich nicht nochmal.
Die Ausstellung ist im Park, geöffnet von 8.00-20.00 Uhr, jeden Tag. Für Forumsbeiträge (es gibt etliche Workshops zum Thema Pubertät) bitte in der Klinik unter der angegebenen Adresse fragen. Die Pubertät ist ein schwierige Zeit. Allgemein bekannt. Gülay Keskin hat das nun umgesetzt, in grossformatigen Paarfotos, ein Kind und ein Elternteil. Das Kind (oder der Erwachsene) hält ein Schild in der Hand. Oben die Aussage des Elternteils in Rückbesinnung auf seine Zeit damals, der untere Text ist die Vorschau des Kindes - oft die Eltern reflektierend - in die Zukunft. Der Sohn träumt von einem properen Klischeeleben, das es niemals geben wird. Gutbürgerlich. Der Vater blickt wehmütig auf seine Zeit als Jugendlicher zurück, eine Zeit, die er wohl nach Kräften ausgelebt hat (so manche männliche Jugendliche haben da ja so richtig ihre Sturm- und Drangzeit, nicht nur mit Komasaufen). Der Sohn ist voller Zuversicht und Vertrauen auf seine Mutter (Hand auf Bauch) und in seine Zukunft. Die Mutter sieht wehmütig, dass es heute doch viel mehr Möglichkeiten gibt. Die beiden sind sehr innig miteinander. Dieses Bild zeigt die Familienmitglieder nicht in Innigkeit, sondern in die Welt marschierend. Symptomatisch für den Vater die Rockerausstattung und die Aussage "Als ich so alt war wie Du, wollte ich unabhängig, frei und vor allem alleine sein, niemanden brauchen." Ähnlich der Freiheitsdrang der Tochter, die das Erwachsensein einfach geniessen will. Als gäbe es keine wie auch immer gearteten Katastrophen, Krisen, Verantwortlichkeiten, was auch immer. Noch ein paar mehr Bilder. Das rechte war wohl ein Akademikerhaushalt. Gülay Keskin hat die unterschiedlichsten Menschen porträtiert. Nachtrag am 31.08.: Ich habe noch oft an diese Ausstellung gedacht. Die Jugendlichen scheinen die Träume/(frühen) Lebenshaltungen ihrer Eltern verwirklichen zu wollen. Nun habe ich über Twitter einen Artikel im Tagesspiegel zu heutigen Rollenvorstellungen der Eltern gelesen. Da steht auf der dritten Seite: Nun ist die Erwachsenenwelt viel differenzierter, Frauen werden Ingenieurinnen oder Bundeskanzlerin. Dass Erwachsene Kindern dennoch eine rosa-blaue Eindeutigkeit verschreiben, wirkt eskapistisch. Darin spiegelt sich der Wunsch der Erwachsenen, aus dem eigenen, oft als Überforderung empfunden Alltag zu flüchten, in dem Frauen wie Männer gleichzeitig Job, Kinder und Beziehungen zu bewältigen haben. Das passt zu den Eltern-Kind-Paaren der Ausstellung. Der Vater etwa, der wehmütig auf seine wilde und ungebundene Jugend zurückblickt (und der Sohn dazu, der von einem Heile-Welt-Erwachsensein träumt). Ähnlich das "Rockerpärchen". Auch da wird die Realität ausgeräumt. Das RNZ-Blog gibt es nicht mehrSonntag, 24. Juli 2011
Das RNZ-Blog gibt es nicht mehr. (Für alle, die bei uns nach dem RNZ-Blog suchen.) Die Gründe wissen wir nicht, wir haben es aber auch nicht verfolgt.
Wer Fragen hat, wende sich bitte an die RNZ.
Geschrieben von Violine
in Online
um
12:28
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