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18. Verleihung des Clemens-Brentano-PreisesDienstag, 19. Juli 2011
Der Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg wurde dieses Jahr an Wolfgang Herrndorf verliehen. Am 19. Juli wurde er im Hilde-Domin-Saal stellvertrend an Kathrin Passig übergeben (der Autor war gesundheitlich verhindert), die die Laudatio hielt und anschliessend vorlas aus Tschick, dem Jugendroman, für den er geehrt wurde.
Am Nachdrücklichsten war mir die Lesung von Wolfgang Herrndorf selbst. Per Film (4:37 Minuten) war er dabei, aufgenommen bei einer Lesung im "Roten Salon" der Berliner Volksbühne. Wie er sich ständig bewegt! Hand in die Haare, am Bein gekratzt, zur Seite sich beugend, zum Wasserglas tastend, um die Hand dann wieder zurückzuziehen, ... Eine Show für sich. Er liest auch sehr gut, lebendiger, als Kathrin Passig das heute abend gemacht hat. Aber klar, es ist sein eigenes Buch, das liest sich wohl auch anders als ein fremdes. Das Buch selbst ist ein sehr lebendiges Werk. Dran am Puls des Lebens. So berechenbar und gleichzeitig so verrückt wie das Leben eben ist, wenn man es zulässt. (Ich halte Wolfgang Herrndorf für einen guten Beobachter.) So überraschend, wie Menschen sein können. Wie etwa der alte Herr, der den beiden Protagonisten erst eine Gewehrkugel in die Autoscheibe schiesst, aber dann die beiden in sein Haus einlädt und sich mit ihnen ganz gemütlich und locker unterhält. Ein lesenswertes Buch, beste und gehobene Unterhaltung. Nicht nur für Jugendliche, auch für Erwachsene. Der Hilde-Domin-Saal war gut besetzt. lap steel guitarSonntag, 10. Juli 2011
Steve Kimock war die Tage hier in Deutschland auf Tour, zusammen mit seinem alten Freund Billy Goodman. Beim Gig im Prinz Friedrich war ich mit dabei.
Eines von den beiden Fotos, die ich gemacht habe, ist sogar etwas geworden, besonders, wenn man es verkleinert (Klick auf das Bild und es wird grösser). So kann ich Euch eines von Steves Instrumenten zeigen, das doch etwas Besonderes ist: Die Lap Steel Guitar. Ich hatte vorher so etwas noch nie gesehen, geschweige denn wusste ich etwas davon. Die Lap Steel Guitar liegt, wie der Name schon sagt, auf dem Schoss des Spielers. Die Töne werden mit einer Art kurzem, dicken Stab abgegriffen (erinnert an die Slide Guitar, nur dass bei der Slide Guitar der Finger im Röhrchen drin steckt und bei der Lap Stick Guitar der Stab von der Hand umfasst wird). Diese Art Gitarre scheint etwas sehr Amerikanisches zu sein. Denn ich habe in der englischsprachigen Wikipedia einen Eintrag dazu gefunden, in der deutschen aber nicht. Dasselbe mit der Slide Guitar. Dadurch, dass Billy damit spielt, habe ich es kennengelernt. Kennst Du den?Sonntag, 22. Mai 2011
Im Mildner's macht Susanne Lencinas eine Fotoausstellung. Momentan hängen da lauter Männerporträts, die die Frauenporträts ablösen.
Die hängen (hingen) im Mildner's an der Wand. Interessant, wie sich die Porträtierten geben. Die Frauen durften sich verkleiden, die Männer zeigen "herbe Natur". Neugierig schaut man, während man seinen Kaffee geniesst, auf die Porträts. (Bzw. ich schaue gerade die Fotos auf der Website durch.) Ob man da jemanden kennt? Von Heidelberg heisst es doch immer, es sei ein Dorf. Ja, einer, mit einem echt herben Gesicht und Zopfmusterpulli, den erkenne ich als Stammgast des Mildners (neunter von rechts). Der dreizehnte von rechts, der mit der Krawatte, der könnte von einem unretuschierten Politikerplakat stammen (aber ich kenne ihn nicht). Der sechzehnte von rechts (der unrasierte mit der Glatze), der kommt mir bekannt vor. Woher? Aus dem Literaturcafé? Weiss nicht. Kenne zu viele Leute. Den 30sten von rechts, auf dem Hocker sitzend, den habe ich mal in einem mittlerweile schon längst gestorbenen Blogprojekt kennengelernt. Den trifft man immer mal wieder irgendwo in Heidelberg. Lustig das Porträt links neben seinem, der die Nummer hochhält. Ob das ein Historiker ist? Oder ein Polizeibeamter? Oder was? Wie kommt er auf diese Persiflage eines Gefangenenfotos? Das vierte von links, das sieht aus wie ein Mädchen. Das erinnert mich an Mati Gavriel. Der sieht auch so aus, wie ein Mädchen. Am Besten finde ich das erste, zumindest ist es das, das mich am meisten anspricht. Das mit dem Hund. Das sieht so richtig nach gelebtem Leben aus. Ob die Frauen besser ausschauen oder die Männer? Kann ich nicht sagen. Beides stammt aus dem Leben. Die Frauen offensichtlich mit Phantasie, weil die Porträts bunt sind und die Frauen sich verkleiden dürfen. Aber so mancher Mann ist nicht weniger phantasievoll, trotz schwarz-weiss und null Verkleidung. Mich sprechen beide Projekte an. Die Impulse des Stifts NeuburgSonntag, 15. Mai 2011
Durch Anselm Grün bin ich auf die Benediktiner gestossen. Ich halte zur Zeit endlich ein Buch von ihm in den Händen. "Mein Weg in die Weite" heisst es. Es ist ein Interview mit ihm, erschienen bei Herder (2003). Ein weiser Mensch, ein tiefgründiger Mensch und v.a. liebevoll mit viel Weitblick.
Da ich gerade über ein paar Menschen in meinem Leben nachdenke, die sehr auffällig sind und denen tiefgründige Hilfe sehr gut tun würde, habe ich an das sogenannte Recollectiohaus gedacht, das sie dort in der Abtei Münsterschwarzach haben. (Anselm Grün ist Benediktiner und gehört zu den Benediktinern in dieser Abtei. Dort ist er Cellerar.) Ich hatte leider übersehen, dass diese Recollectiohaus nur für Priester und Ordensbrüder in einer psychischen Krise gedacht ist, nicht allgemein für Menschen in einer Krise. Schade, aber bis vor wenigen Minuten hatte ich noch die Hoffnung, dass es das im Stift Neuburg auch gibt (kann schon sein, dass es das gibt, aber eben nicht für Aussenstehende). Dafür habe ich auf deren Website was anderes faszinierendes gefunden: Die Impulse. Ich dachte gleich mal an die Monatsschriften von Anselm Grün. Ich war neugierig, habe reingelesen und gleich mal in meinem Feedreader abonniert. Beim Impuls Woran wir leiden bin ich hängengeblieben. Hier ein Auszug: Wie hat Jesus den Taubstummen geheilt? Nicht durch eine Pille oder durch ein Fingerschnippen. Es geht ihm nicht um das Mirakel. Er lässt den anderen mit seiner Not an sich heran. Er geht auf ihn zu und berührt ihn. Mit einem Gestus ungeheurer Intimität durchbricht er die Mauer der Isolation, in der der Taubstumme gelebt hat. Will ich die Not eines anderen lindern, muss ich auf ihn zugehen. Ganz persönlich, mit offenem Herzen, "die Not eines anderen an sich heranlassend". In unserer schnelllebigen Welt lassen wir uns nicht mehr aufeinander ein, nicht mehr tiefgründig. Natürlich kann man sich tiefgründig einlassen, aber das muss man bewusst tun. Auch in dem Bewusstsein, dass das in irgendeiner Weise aufsehenerregend ist - oder aber von den Unbeteiligten überhaupt nicht verstanden wird. Abt Franziskus Heeremann meint weiter unten im Text: Wo es uns – wenigstens in Ansätzen – gelingt, uns auf den bedürftigen Mitmenschen hin zu transzendieren, in ihm den Bruder und die Schwester zu erkennen, da geschieht etwas in unserem Leben. Ja, wir sind nicht mehr unberührt, das Leben ist nicht mehr egal, gleichförmig oder was an Oberflächlichem mehr ist. Wir sind beteiligt. Wir geben ein Stück von unserem Herzen, und empfangen ein Stück vom Herzen des Gegenübers. Und erfahren Sinnhaftigkeit in unserem Leben. neugierig auf einen VortragDonnerstag, 12. Mai 2011
Ich bin neugierig auf einen Vortrag von Claudia Schreiber im Morata-Haus. Am Mittwoch, dem 29.06. um 20.15 Uhr, Eintritt 5€ bzw. 3,50€ (ermässigt). Der Titel ist "Nichts als die reine Wahrheit?"
Es geht um den christlichen Fundamentalismus, und wie Menschen sich plagen, wenn sie aus einem solchen Hintergrund herauswachsen und Distanz gewinnen. Wie die Jungfrau zum Kind bin ich vor Jahren zu den Freikirchen gekommen. Ich hatte von nichts eine Ahnung. Ich dachte nur, eine lebendige Gemeinde, das gefällt mir. Lebendig, ja von wegen! Mittlerweile weiss ich durch meine Lektüre (Im Kampf für Gott von Karen Armstrong, erschienen im Siedler-Verlag) schon einiges mehr. Mir selbst kommt der Fundamentalismus vor, als würde die Bibel ausgequetscht wie eine Zitrone und dann ernährt man sich von den Resten. Daran ist nichts Lebendiges mehr, sondern nur viele Verkrümmungen, Verkümmerungen, Ängste, Störungen. "neugierig auf einen Vortrag" vollständig lesen
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