"Friedhelm Hengsbach SJ fragt nach ..." ist eine neue Diskussionsreihe im
Heinrich-Pesch-Haus in Ludwigshafen. Dort lebt
Friedhelm Hengsbach SJ, einer der bekanntesten/führendsten Sozialethiker Deutschlands.
Ich hatte ihn letztes Jahr zum ersten Mal erlebt, in der
Heiligkeistkirche bei einer Veranstaltung während der Armutswoche zusammen mit
Manfred Lautenschläger und
Gregor Gysi. Die beiden letzteren sind bekannte Figuren, Hengsbach war mir neu. Er war beeindruckend. Sehr, sehr fundiert, gab keinerlei Polemik und liess sich auch auf keinerlei Polemik ein, liess sich aber auch nicht die Butter vom Brot nehmen. Wie gesagt, es war beeindruckend.
Als ich dann von dieser Veranstaltungsreihe "Friedhelm Hengsbach SJ fragt nach ... " erfuhr, musste ich natürlich hin. Weiterhin anwesend waren
Sahra Wagenknecht und
Ulrich van Suntum.
Friedhelm Hengsbach mit seinem Hintergrund der Jesuiten war genau der richtige Moderator dieses Abends, da alle drei sehr fundiert waren, aber durch van Suntums aggressive Art (er polemisierte zum Steinerweichen) seine Fertigkeiten in Menschenführung und seine - durch den Glauben geprägten - Einsichten in den Menschen gefragt waren.
Was mir sehr negativ aufgefallen ist, das war die Klatscherei bei van Suntums polemischen Ausfällen. Das hat mir doch einiges über unsere Gesellschaft geoffenbart. Man kann nicht klatschen, wenn einer meint, Hartz IV sei ausgewogen und die Bezieher dieser Massnahmen hätten nichts zu meckern. Diejenigen, die da klatschen, entziehen sich mutwillig der Realität, der Auseinandersetzung mit dem nächsten mit ihren Scheuklappen. Nie sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Das fängt schon damit an, dass man sich seinen Sachbearbeiter nicht aussuchen/wechseln kann. Das Leben spielt anders. Man kann einfach nicht mit jedem, das ist ganz normal, und bei derartig existentiellen Sachen muss man wirklich miteinander können. Das nächste ist, und das muss klar sein, dass diese Gesetze mit heisser Nadel gestrickt sind. Es hängen vor den Sozialgerichten eine sehr hohe Zahl von Klagen wegen dieser Gesetze und ihrer Auswirkungen an, die in hohem Mass für die Kläger entschieden werden. Da kann man doch nicht sagen, mit Hartz IV sei alles bestens bestellt.
Klar, Ulrich van Suntum als ein herausragender Vertreter des
INSM wird das sagen, aber man muss dem nun nicht blindlings hinterherfolgen.
Für mich sind da einige Fragen aufgetaucht, zumal ich letztes Jahr damit begonnen hatte, mich für die seelischen Auswirkungen der Nazizeit zu befassen. (Ein Buch dazu:
Geschichte in uns.)
Wollen viele auch heute noch einen "Führer", der sie vor der Komplexität des menschlichen Lebens "bewahrt"? Wollen sie seelisch aufgefangen werden von Meinungsmachern und Polemikern wie BILD und Co? Wieso gehen sie dann nicht in Seelsorge? Können sie ihre Schwächen und Ängste nicht zugeben und weigern sie sich, damit umzugehen? Stattdessen lieber Sündenböcke suchen? Eine angeblich wohlgeordnete Welt entwerfen, in der jeder Strohhalm seinen Platz hat, um nicht denken zu müssen?
Und dann: Suchen sie insgeheim doch nach echter Seelsorge, wie sie etwa die
Jesuiten bieten (das Heinrich-Pesch-Haus ist ein Standort der Jesuiten) und waren sie deswegen - ihnen unbewusst natürlich - dort? Ich meine jetzt echte Seelsorge, um zu einem erfüllten und gelingenden Leben zu kommen. Die Jesuiten bieten hervorragende Seelsorge.
Van Suntum ist direkt hinter Hengsbach die Treppe zur Bühne runter. Das erstaunte mich. Als hätte er Zutrauen zu Hengsbach gefunden.
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