Bis Ende August läuft in der Klinik St. Elisabeth
das Forum und die Ausstellung von der Fotografin
Gülay Keskin zum Thema Pubertät. Ausführliche Informationen gibt es unter den beiden Links. Das dort Gesagte wiederhole ich nicht nochmal.
Die Ausstellung ist im Park, geöffnet von 8.00-20.00 Uhr, jeden Tag. Für Forumsbeiträge (es gibt etliche Workshops zum Thema Pubertät) bitte in der
Klinik unter der angegebenen Adresse fragen.
Die Pubertät ist ein schwierige Zeit. Allgemein bekannt. Gülay Keskin hat das nun umgesetzt, in grossformatigen Paarfotos, ein Kind und ein Elternteil. Das Kind (oder der Erwachsene) hält ein Schild in der Hand. Oben die Aussage des Elternteils in Rückbesinnung auf seine Zeit damals, der untere Text ist die Vorschau des Kindes - oft die Eltern reflektierend - in die Zukunft.
Der Sohn träumt von einem properen Klischeeleben, das es niemals geben wird. Gutbürgerlich. Der Vater blickt wehmütig auf seine Zeit als Jugendlicher zurück, eine Zeit, die er wohl nach Kräften ausgelebt hat (so manche männliche Jugendliche haben da ja so richtig ihre Sturm- und Drangzeit, nicht nur mit Komasaufen).
Der Sohn ist voller Zuversicht und Vertrauen auf seine Mutter (Hand auf Bauch) und in seine Zukunft. Die Mutter sieht wehmütig, dass es heute doch viel mehr Möglichkeiten gibt. Die beiden sind sehr innig miteinander.
Dieses Bild zeigt die Familienmitglieder nicht in Innigkeit, sondern in die Welt marschierend. Symptomatisch für den Vater die Rockerausstattung und die Aussage "Als ich so alt war wie Du, wollte ich unabhängig, frei und vor allem alleine sein, niemanden brauchen."
Ähnlich der Freiheitsdrang der Tochter, die das Erwachsensein einfach geniessen will. Als gäbe es keine wie auch immer gearteten Katastrophen, Krisen, Verantwortlichkeiten, was auch immer.
Noch ein paar mehr Bilder. Das rechte war wohl ein Akademikerhaushalt. Gülay Keskin hat die unterschiedlichsten Menschen porträtiert.
Nachtrag am 31.08.:
Ich habe noch oft an diese Ausstellung gedacht. Die Jugendlichen scheinen die Träume/(frühen) Lebenshaltungen ihrer Eltern verwirklichen zu wollen.
Nun habe ich über
Twitter einen
Artikel im Tagesspiegel zu heutigen Rollenvorstellungen der Eltern gelesen.
Da steht auf der
dritten Seite:
Nun ist die Erwachsenenwelt viel differenzierter, Frauen werden Ingenieurinnen oder Bundeskanzlerin. Dass Erwachsene Kindern dennoch eine rosa-blaue Eindeutigkeit verschreiben, wirkt eskapistisch. Darin spiegelt sich der Wunsch der Erwachsenen, aus dem eigenen, oft als Überforderung empfunden Alltag zu flüchten, in dem Frauen wie Männer gleichzeitig Job, Kinder und Beziehungen zu bewältigen haben.
Das passt zu den Eltern-Kind-Paaren der Ausstellung. Der Vater etwa, der wehmütig auf seine wilde und ungebundene Jugend zurückblickt (und der Sohn dazu, der von einem Heile-Welt-Erwachsensein träumt). Ähnlich das "Rockerpärchen". Auch da wird die Realität ausgeräumt.
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