Der Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg wurde dieses Jahr an
Wolfgang Herrndorf verliehen. Am 19. Juli wurde er im Hilde-Domin-Saal stellvertrend an
Kathrin Passig übergeben (der Autor war gesundheitlich verhindert), die die Laudatio hielt und anschliessend vorlas aus
Tschick, dem Jugendroman, für den er geehrt wurde.
Am Nachdrücklichsten war mir die Lesung von Wolfgang Herrndorf selbst. Per
Film (4:37 Minuten) war er dabei, aufgenommen bei einer Lesung im "Roten Salon" der Berliner Volksbühne.
Wie er sich ständig bewegt! Hand in die Haare, am Bein gekratzt, zur Seite sich beugend, zum Wasserglas tastend, um die Hand dann wieder zurückzuziehen, ... Eine Show für sich.
Er liest auch sehr gut, lebendiger, als Kathrin Passig das heute abend gemacht hat. Aber klar, es ist sein eigenes Buch, das liest sich wohl auch anders als ein fremdes.
Das Buch selbst ist ein sehr lebendiges Werk. Dran am Puls des Lebens. So berechenbar und gleichzeitig so verrückt wie das Leben eben ist, wenn man es zulässt. (Ich halte Wolfgang Herrndorf für einen guten Beobachter.) So überraschend, wie Menschen sein können. Wie etwa der alte Herr, der den beiden Protagonisten erst eine Gewehrkugel in die Autoscheibe schiesst, aber dann die beiden in sein Haus einlädt und sich mit ihnen ganz gemütlich und locker unterhält.
Ein lesenswertes Buch, beste und gehobene Unterhaltung. Nicht nur für Jugendliche, auch für Erwachsene.
Der Hilde-Domin-Saal war gut besetzt.
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