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Kennst Du den?Sonntag, 22. Mai 2011
Im Mildner's macht Susanne Lencinas eine Fotoausstellung. Momentan hängen da lauter Männerporträts, die die Frauenporträts ablösen.
Die hängen (hingen) im Mildner's an der Wand. Interessant, wie sich die Porträtierten geben. Die Frauen durften sich verkleiden, die Männer zeigen "herbe Natur". Neugierig schaut man, während man seinen Kaffee geniesst, auf die Porträts. (Bzw. ich schaue gerade die Fotos auf der Website durch.) Ob man da jemanden kennt? Von Heidelberg heisst es doch immer, es sei ein Dorf. Ja, einer, mit einem echt herben Gesicht und Zopfmusterpulli, den erkenne ich als Stammgast des Mildners (neunter von rechts). Der dreizehnte von rechts, der mit der Krawatte, der könnte von einem unretuschierten Politikerplakat stammen (aber ich kenne ihn nicht). Der sechzehnte von rechts (der unrasierte mit der Glatze), der kommt mir bekannt vor. Woher? Aus dem Literaturcafé? Weiss nicht. Kenne zu viele Leute. Den 30sten von rechts, auf dem Hocker sitzend, den habe ich mal in einem mittlerweile schon längst gestorbenen Blogprojekt kennengelernt. Den trifft man immer mal wieder irgendwo in Heidelberg. Lustig das Porträt links neben seinem, der die Nummer hochhält. Ob das ein Historiker ist? Oder ein Polizeibeamter? Oder was? Wie kommt er auf diese Persiflage eines Gefangenenfotos? Das vierte von links, das sieht aus wie ein Mädchen. Das erinnert mich an Mati Gavriel. Der sieht auch so aus, wie ein Mädchen. Am Besten finde ich das erste, zumindest ist es das, das mich am meisten anspricht. Das mit dem Hund. Das sieht so richtig nach gelebtem Leben aus. Ob die Frauen besser ausschauen oder die Männer? Kann ich nicht sagen. Beides stammt aus dem Leben. Die Frauen offensichtlich mit Phantasie, weil die Porträts bunt sind und die Frauen sich verkleiden dürfen. Aber so mancher Mann ist nicht weniger phantasievoll, trotz schwarz-weiss und null Verkleidung. Mich sprechen beide Projekte an. Die Impulse des Stifts NeuburgSonntag, 15. Mai 2011
Durch Anselm Grün bin ich auf die Benediktiner gestossen. Ich halte zur Zeit endlich ein Buch von ihm in den Händen. "Mein Weg in die Weite" heisst es. Es ist ein Interview mit ihm, erschienen bei Herder (2003). Ein weiser Mensch, ein tiefgründiger Mensch und v.a. liebevoll mit viel Weitblick.
Da ich gerade über ein paar Menschen in meinem Leben nachdenke, die sehr auffällig sind und denen tiefgründige Hilfe sehr gut tun würde, habe ich an das sogenannte Recollectiohaus gedacht, das sie dort in der Abtei Münsterschwarzach haben. (Anselm Grün ist Benediktiner und gehört zu den Benediktinern in dieser Abtei. Dort ist er Cellerar.) Ich hatte leider übersehen, dass diese Recollectiohaus nur für Priester und Ordensbrüder in einer psychischen Krise gedacht ist, nicht allgemein für Menschen in einer Krise. Schade, aber bis vor wenigen Minuten hatte ich noch die Hoffnung, dass es das im Stift Neuburg auch gibt (kann schon sein, dass es das gibt, aber eben nicht für Aussenstehende). Dafür habe ich auf deren Website was anderes faszinierendes gefunden: Die Impulse. Ich dachte gleich mal an die Monatsschriften von Anselm Grün. Ich war neugierig, habe reingelesen und gleich mal in meinem Feedreader abonniert. Beim Impuls Woran wir leiden bin ich hängengeblieben. Hier ein Auszug: Wie hat Jesus den Taubstummen geheilt? Nicht durch eine Pille oder durch ein Fingerschnippen. Es geht ihm nicht um das Mirakel. Er lässt den anderen mit seiner Not an sich heran. Er geht auf ihn zu und berührt ihn. Mit einem Gestus ungeheurer Intimität durchbricht er die Mauer der Isolation, in der der Taubstumme gelebt hat. Will ich die Not eines anderen lindern, muss ich auf ihn zugehen. Ganz persönlich, mit offenem Herzen, "die Not eines anderen an sich heranlassend". In unserer schnelllebigen Welt lassen wir uns nicht mehr aufeinander ein, nicht mehr tiefgründig. Natürlich kann man sich tiefgründig einlassen, aber das muss man bewusst tun. Auch in dem Bewusstsein, dass das in irgendeiner Weise aufsehenerregend ist - oder aber von den Unbeteiligten überhaupt nicht verstanden wird. Abt Franziskus Heeremann meint weiter unten im Text: Wo es uns – wenigstens in Ansätzen – gelingt, uns auf den bedürftigen Mitmenschen hin zu transzendieren, in ihm den Bruder und die Schwester zu erkennen, da geschieht etwas in unserem Leben. Ja, wir sind nicht mehr unberührt, das Leben ist nicht mehr egal, gleichförmig oder was an Oberflächlichem mehr ist. Wir sind beteiligt. Wir geben ein Stück von unserem Herzen, und empfangen ein Stück vom Herzen des Gegenübers. Und erfahren Sinnhaftigkeit in unserem Leben. neugierig auf einen VortragDonnerstag, 12. Mai 2011
Ich bin neugierig auf einen Vortrag von Claudia Schreiber im Morata-Haus. Am Mittwoch, dem 29.06. um 20.15 Uhr, Eintritt 5€ bzw. 3,50€ (ermässigt). Der Titel ist "Nichts als die reine Wahrheit?"
Es geht um den christlichen Fundamentalismus, und wie Menschen sich plagen, wenn sie aus einem solchen Hintergrund herauswachsen und Distanz gewinnen. Wie die Jungfrau zum Kind bin ich vor Jahren zu den Freikirchen gekommen. Ich hatte von nichts eine Ahnung. Ich dachte nur, eine lebendige Gemeinde, das gefällt mir. Lebendig, ja von wegen! Mittlerweile weiss ich durch meine Lektüre (Im Kampf für Gott von Karen Armstrong, erschienen im Siedler-Verlag) schon einiges mehr. Mir selbst kommt der Fundamentalismus vor, als würde die Bibel ausgequetscht wie eine Zitrone und dann ernährt man sich von den Resten. Daran ist nichts Lebendiges mehr, sondern nur viele Verkrümmungen, Verkümmerungen, Ängste, Störungen. "neugierig auf einen Vortrag" vollständig lesen aus dem Wort vom SamstagMontag, 2. Mai 2011
Am Samstag abend war ich zum Gottesdienst in der Vineyard, einer Freikirche.
Marlin war der Prediger und es ging um eine der Visionen der Vineyard, das Engangement bei den Künsten (anscheinend fordern das auch sowohl der gewesene als auch der jetzige Papst (und endlich mal keine Katholiken-Schelte in einer Freikirche)). Dabei kam er unter anderem auf das altbekannte Gleichnis vom Sämann zu sprechen (Matthäus 13,18-23). Der Sämann, der auf die unterschiedlichsten Böden sät, und je nach Beschaffenheit des Bodens geht die Saat auf, nur bedingt, kaum oder gar nicht. Marlin kam auf die Dornen zu sprechen, die drohen, die Ernte zu vernichten. Die Dornen sind Sorgen, Begierden, wohl auch die Alltäglichkeiten. In der Luther-Übersetzung von 1984 steht: Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört, und die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort, und er bringt keine FruchtMatthäus 13,18 (Bei Marlin stand wirklich Begierden, nicht Reichtum, ich weiss aber nicht, welche Übersetzung er hatte und habe das auch beim Suchen nicht gefunden.) Er stand nicht da mit erhobenem Zeigefinger, und sagte uns nicht, wie wir sein sollen (der gute Boden). Er stellte sich auch nicht als der Gut- oder gar Bessermensch hin, der nichts anderes als guten Boden bei sich kennt. Nein, er redete von den Dornen. Er sei einer der Menschen, die aufpassen müssten, dass die Dornen aus Sorgen und Begierden die gute Frucht nicht erstickten. Wie leicht ist das heute, die Dornen drüberwuchern zu lassen! In unserer Welt aus Hetze und Eile, aus "höher, weiter, schneller", der Bedürfnisweckung durch die Reklame. Lieber weniger als mehr, lieber mal innehalten. Lieber mal in vollem Bewusstsein auskosten, ganz dabei sein, nicht nur halb oder in diesem Irgendwie, mit dem wir um des Konsumierens willen dabei sind. Und vor allem: Das Einfache schätzen lernen. Nichts dazu geben, einfach stehen lassen, wie es ist. Annehmen, wie es ist. Keine Zusätze. Nichts besser machen wollen. Das "Ist" annehmen. Eine Botschaft, die im Herzen zu behalten ist.
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