Ich konnte mich schon immer über unhöfliche Benutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln aufregen. Ein Phänomen, das man sehr gut in der S-Bahn beobachten kann, ist, dass viele Reisende zwei Sitzplätze beanspruchen. Einen für sich selbst und einen zweiten für ihre Tasche. Dagegen ist bei leerer Bahn nicht viel einzuwenden, aber die meisten räumen ihre Tasche auch nicht weg, wenn immer mehr Leute einsteigen. Manchmal reizt es mich zu fragen, ob sie für ihre Tasche auch eine Fahrkarte gelöst haben ...
Ein ganz neues Phänomen kann man jetzt in der Linie 26 vom Bismarckplatz nach Kirchheim beobachten. Die Bahn ist oft nicht so voll wie die Linie 23 nach Rohrbach, viele Fahrgäste breiten sich also gleich mal aus. Heute habe ich eine junge Frau beobachtet, die ihre Tasche neben sich gestellt hat und gleichzeitig die Beine schräg gestellt hat, so dass die gegenüberliegenden Sitze auch blockiert waren. Damit waren alle vier Sitze blockiert und ihr dumpfer Gesichtsausdruck machte klar: "Hier sitze ich".
In der nächsten Vierergruppe saß ein männlicher Jugendlicher, der beide Beine so breit auseinandergestellt hatte, dass ebenfalls alle vier Plätze blockiert waren. Ich habe mich dann in eine Zweiergruppe gesetzt, in der schon jemand saß (die sind dann wirklich eng). - Als die Bahn voller wurde, bewegte die junge Frau erst widerwillig die Beine zur Seite, als eine ältere Frau dabei war den Sitzplatz schräg gegenüber einzunehmen.
Ich musste mich an meine Jugend erinnern, als es noch ältere Herrschaften gab, die Fahrgäste zurecht wiesen. Ein "Machen sie mal Platz" hätte die junge Frau sicher abbekommen. Jugendliche, die ihre Füße auf die Sitze legten, wurden oft auch zurecht gewiesen. Früher fand ich es manchmal übertrieben, heute vermisse ich diese "Moralapostel". Mancher Fahrgast hätte wirklich eine Ermahnung verdient. Wie diese junge Frau, die sich einbildet, ihr würden vier Sitzplätze zustehen...
Neue Kommentare